Sinnvolle Alternativen im Workstack
Tools, die nicht an Tech-Milliardäre zahlen
Warum es sich lohnt, über unseren digitalen Werkzeugkasten nachzudenken
Jeden Tag nutzen wir digitale Tools: WhatsApp für Kundenkontakte, Microsoft Office für Angebote, Google Drive für Dateien, ChatGPT für Texte. Klingt praktisch – ist es auch. Aber habt ihr euch mal gefragt, wohin euer Geld fließt?
Mit jedem Abo, jeder Lizenz und jeder Nutzung zahlen wir an eine Handvoll Tech-Konzerne – und damit indirekt an die Milliardäre dahinter. Manche von ihnen nutzen ihren Einfluss aktiv für politische Interessen, die nicht unbedingt mit unseren Werten übereinstimmen.
Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen. Datenschutzfreundliche, oft sogar kostenlose Tools, die mindestens genauso gut funktionieren. Und die euer Geld dort lassen, wo ihr es haben wollt: bei Unternehmen, die nach europäischen Regeln spielen.
Die Alternativen im Überblick
1. Kommunikation: Signal statt WhatsApp
WhatsApp gehört zu Meta – und damit zu einem Konzern, der durch Datensammlung und gezielte Werbung Milliarden verdient. Die Alternative heißt Signal.
Signal ist eine Open-Source-Messenger-App, die komplett auf Werbung und Datensammlung verzichtet. Die Verschlüsselung ist so gut, dass selbst Signal selbst eure Nachrichten nicht lesen kann. Die App wird von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben und finanziert sich durch Spenden.
Was ihr bekommt:
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung standardmäßig
- Keine Werbung, keine Tracker
- Kostenlos für immer
- Funktioniert auf allen Geräten
Der kleine Haken: Eure Kontakte müssen natürlich auch Signal nutzen. Aber: Je mehr umsteigen, desto einfacher wird’s.
Signal gibt es, wie z.B. WhatsApp, auch für euren Desktop und läuft dann einfach synchron mit eurer mobilen Version. Hier könnt ihr Signal herunterladen
2. Büro-Software: LibreOffice statt Microsoft Office
Microsoft Office kostet mittlerweile über 100 Euro im Jahr – und bindet euch an ein Abo-Modell, das kein Ende kennt. Die Alternative heißt LibreOffice.
LibreOffice ist Open Source, komplett kostenlos und kann mit Add-Ons und Vorlagen erweitert werden. Und es kommt auch ganz ohne Cloud aus, sprich ihr könnt lokal damit arbeiten, ohne Internet, Konto-Erstellung und Anmeldung.
LibreOffice basiert in seiner Entwicklung auf dem Vorreiter in Sachen Open Source Büro-Tools, dem Klassiker OpenOffice.
OpenOffice ist immer noch zu haben, allerdings stagniert dessen Weiterentwicklung mittlerweile sehr, so dass es Probleme mit manchen neuen Dateiformaten gibt und mittlerweile wohl auch Lücken in der Sicherheit.
Weiter gibt es noch OnlyOffice, das allerdings zu 100% in der Hand russischer Aktionäre ist und in dieser Zeit sicher keine gute Wahl darstellt. Hier findet ihr einen Artikel dazu
Hier findet Ihr einen Artikel zu verschiedenen Alternativen zu MS Office, darunter allerdings auch Google Workspace (Tech-Bros) und OnlyOffice: Link zum Artikel
Was ihr bekommt:
- Textverarbeitung, Tabellen, Präsentationen
- Kompatibel mit Microsoft-Formaten (Word, Excel, PowerPoint)
- Keine Abo-Kosten, keine Lizenzen
- Läuft auf Windows, Mac und Linux
Bonus: Ihr könnt LibreOffice sogar in eure eigene Nextcloud integrieren (dazu gleich mehr).
3. Cloud & Co-Working: Nextcloud statt Google Drive
Google Drive, Dropbox, OneDrive
alles praktisch, alles amerikanisch, alles mit einem großen Datenschutz-Fragezeichen. Die Alternative: Nextcloud.
Nextcloud ist eine Open-Source-Cloud-Lösung, die ihr entweder selbst hosten könnt (z. B. bei einem europäischen, bzw. deutschen Anbieter wie Lima-City oder Mittwald) oder bei einem Nextcloud-Provider mieten könnt. Ihr habt volle Kontrolle über eure Daten – sie liegen auf eurem Server, in eurem Land, nach euren Regeln.
Was ihr bekommt:
- Dateien synchronisieren und teilen
- Kalender, Kontakte, Aufgaben
- Kollaboratives Arbeiten mit z.B. LibreOffice
- Video-Calls und Chat (Talk)
- DSGVO-konform, Daten in Europa
Für wen es sich lohnt: Alle, die mit sensiblen Kundendaten arbeiten oder einfach die Kontrolle über ihre Dateien behalten wollen.
Empfehlenswerte Anbieter: Lima-City, Mittwald
4. KI: Claude statt ChatGPT
ChatGPT ist das bekannteste KI-Tool – aber nicht unbedingt das Beste. Und es gehört zu OpenAI, einem Unternehmen, das mittlerweile eng mit Microsoft verbunden ist und dessen Gründer Sam Altman zu den einflussreichsten Tech-Persönlichkeiten der Welt zählt.
Die Alternative: Claude, entwickelt von Anthropic. Claude ist nicht europäisch, aber deutlich transparenter, ethischer und datenschutzfreundlicher als ChatGPT.
Warum Claude?
- Bessere Textqualität bei kreativen und analytischen Aufgaben
- Transparentere Datenschutzrichtlinien
- Keine Nutzung eurer Daten für KI-Training (sofern ihr nicht zustimmt)
- Kostenlose Version mit großzügigem Limit
- Claude ist oft präziser und versteht Kontext besser
Was es kostenlos gibt: Claude Free bietet Zugang zu Claude Sonnet 4 – einem der leistungsstärksten KI-Modelle weltweit. Für ca. 20 $ im Monat gibt’s Claude Pro mit noch mehr Funktionen.
Mehr Alternativen findet ihr in diesem ausführlichen Artikel: ChatGPT-Alternativen bei gradually.ai
5. Bildbearbeitung: Affinity, GIMP oder Photopea statt Adobe
Adobe hat ein Quasi-Monopol bei professioneller Bildbearbeitung – und nutzt das schamlos aus. Abo-Zwang, intransparente Preise, undurchsichtige Nutzungsbedingungen für KI-Training. Zeit für Alternativen.
Die Optionen:
Affinity Photo/Designer (UK, einmalige Zahlung):
- Professionelle Bildbearbeitung und Design
- Einmalige Lizenz statt Abo (
ca. 75 € pro App) - Funktioniert fast wie Photoshop/Illustrator/Indesign
- Läuft auf Mac, Windows und iPad
Affinity Photo/Designer (UK) wurde nun von Canva aufgekauft (Australien), nennt sich jetzt Affinity Studio und ihr benötigt einen kostenlosen Canva-Zugang, um Affinity zu nutzen.
Aber mit Canva-Zugang ist Affinity in vollem Umfang kostenlos.
Was laut Unternehmen auch so bleiben soll.
Die Umstellung von Adobe CC auf Affinity erfordert wirklich wenig Umstellung und bietet dafür ein Universal-Werkzeug, das von der Pixel- über die Vektorgrafik bis hin zum Layouting, euren kreativen Workflow in einer einzigen App ermöglicht und dazu eine schnelle Veröffentlichung über Canva (wofür in Adobe CC mindestens 3 verschiedene Tools nötig sind).
Ein Haken ist dabei die KI-Generierung, für welche Ihr Canva Premium im kostenpflichtigen Abo-Modell haben müsst.
Auch Canva selbst bietet bereits viele Möglichkeiten, um sehr schnell und einfach Grafiken und Social-Media Beiträge zu erstellen und direkt zu posten.
Deswegen ist Canva in vielen Agenturen bereits Standard geworden. Solltet ihr Canva noch nicht kennen, probiert es aus: Link zu Canva
Oder testet gleich Affinitiy Studio: Link zu Affinity Studio
Zur Registrierung in Canva werdet ihr dann automatisch weitergeleitet.
GIMP (Open Source, kostenlos):
- Mächtige Open-Source-Bildbearbeitung
- Komplett kostenlos
- Läuft auf allen Plattformen
- Steile Lernkurve, aber sehr flexibel
Photopea (Browser-basiert, tschechisch):
- Läuft komplett im Browser, keine Installation nötig
- Kann PSD-Dateien öffnen und bearbeiten
- Kostenlos mit Werbung, oder 9 € im Monat ohne Werbung
- Perfekt für schnelle Bearbeitungen
Mit Photopea könnt ihr einfach jetzt sofort eure Bilder bearbeiten, im 1:1 Photoshop-Feeling. Von der Tonwertkorrektur bis zum CameraRaw-Filter. Einfach alles da, frei und ohne Datenklau.
Für wen sich diese Tools lohnen:
- Wenn ihr nicht dazu bereit seid, Adobe lebenslang 60+ Euro im Monat zu zahlen.
- Wenn ihr einfache Lösungen für eine effiziente Umsetzung sucht, wie mit Photopea oder Canva.
- Wenn ihr keine keine Lust auf eure Datennutzung habt.
6. PDF-Bearbeitung: PDF24 Creator statt Adobe Acrobat
Adobe Acrobat kostet im Abo über 200 Euro im Jahr – nur um PDFs zu erstellen und zu bearbeiten. Die deutsche Alternative heißt PDF24 Creator.
PDF24 Creator wird seit 2006 von der geek Software GmbH in Deutschland entwickelt und ist komplett kostenlos – für private und gewerbliche Nutzung. Die Server stehen in Deutschland, alles läuft DSGVO-konform.
Was ihr bekommt:
- PDFs erstellen, bearbeiten, zusammenführen, komprimieren
- PDFs signieren und schützen
- Seiten extrahieren, drehen, sortieren
- Desktop-Version: Alle Daten bleiben lokal auf eurem Rechner
- Über 8 Millionen Downloads
Für wen es sich lohnt: Alle, die regelmäßig mit PDFs arbeiten und keine Lust haben, Adobe dafür zu bezahlen.
Alternative für fortgeschrittene Nutzer: LibreOffice Draw kann PDFs öffnen und bearbeiten – ebenfalls kostenlos und Open Source.
7. Browser: Firefox oder Brave statt Chrome
Chrome ist der meistgenutzte Browser der Welt – und ein Datensammler im Dienste von Google. Die Alternativen sind Firefox (von der gemeinnützigen Mozilla Foundation) und Brave (datenschutzfreundlicher Chromium-Fork).
Was ihr bekommt:
- Keine Datensammlung durch Google
- Schnelles, sicheres Surfen
- Eingebauter Tracking-Schutz
- Open Source und transparent
8. Suchmaschine: Ecosia, DuckDuckGo oder Quant statt Google
Google verdient sein Geld mit euren Suchanfragen – und erstellt dabei detaillierte Profile über euer Verhalten. Die Alternativen: Ecosia (pflanzt Bäume, Deutschland), DuckDuckGo (zwar US, aber trackingfrei) oder Quant („Die Suchmaschine, die nichts über Sie weiß“, aus Frankreich).
Was ihr bekommt:
- Datenschutz als Standard
- Gute Suchergebnisse ohne Tracking
- Keine personalisierten Filterblasen
9. E-Mail: Mailbox.org, Posteo oder ProtonMail statt Gmail
Gmail ist praktisch – und durchsucht eure E-Mails, um euch passende Werbung zu zeigen. Europäische Alternativen wie Mailbox.org (Deutschland), Posteo (Deutschland) oder ProtonMail (Schweiz) bieten sichere, verschlüsselte E-Mail-Postfächer.
Was ihr bekommt:
- Verschlüsselte E-Mails
- DSGVO-konform, Server in Europa
- Keine Werbung, kein Tracking
- Ab 1–3 € im Monat
10. Passwort-Manager: Bitwarden statt LastPass
LastPass wurde mehrfach gehackt und hat fragwürdige Datenschutzpraktiken. Bitwarden ist die Open-Source-Alternative – sicher, transparent und mit kostenlosen sowie Premium-Optionen.
Was ihr bekommt:
- Sichere Passwortverwaltung
- Open Source und überprüfbar
- Kostenlos für die meisten Funktionen
- Premium für 10 $ im Jahr
Die große Übersicht: Europäische Alternativen für alles
Noch mehr Alternativen findet ihr auf european-alternatives.eu – einer Plattform, die europäische Alternativen für digitale Produkte sammelt und nach Kategorien sortiert. Von Cloud-Anbietern über E-Mail-Provider bis hin zu Zeit-Tracking-Apps.
Social Media & Marketing: Kommen wir drumherum?
Jetzt wird’s ehrlich: Instagram, Facebook, LinkedIn, TikTok – alles in der Hand von Meta, Microsoft oder ByteDance. Klar gibt’s Alternativen wie Mastodon (Fediverse, dezentral, Open Source) – aber die Reichweite ist nicht vergleichbar.
Können wir komplett drum herum?
Nein. Nicht realistisch. Zumindest nicht, wenn ihr euer Business sichtbar machen wollt.
Aber: Ihr könnt eure Strategie ändern:
1. Fokus auf eigene Kanäle
Eure Website, euer Newsletter, euer Blog – das sind die Kanäle, die euch gehören. Social Media ist Reichweite auf Leihbasis. Heute da, morgen weg.
2. Organische Reichweite ohne Werbebudget
Ihr müsst nicht in Ads investieren, um Sichtbarkeit zu bekommen. Mit gutem Content, SEO und Konsistenz baut ihr euch organische Reichweite auf – langsam, aber nachhaltig.
Was funktioniert:
- Bloggen (wie wir hier bei Pixelbiber)
- SEO – gute Inhalte, die bei Google gefunden werden
- Newsletter – direkter Draht zu euren Kund:innen
- Storytelling auf Social Media – ohne Budget, aber mit Mehrwert
3. Präsenz, aber ohne Abhängigkeit
Nutzt Social Media als Schaufenster – aber baut euer Fundament woanders. Holt die Menschen auf eure Website, in euren Newsletter. So seid ihr nicht abhängig von Algorithmen und Plattformen, die morgen schon wieder andere Regeln haben.
Die Strategie:
- Social Media: Teaser, Einblicke, Persönlichkeit zeigen
- Website: Tiefe, Expertise, Vertrauen aufbauen
- Newsletter: Beziehung pflegen, direkt kommunizieren
Fazit: Kleine Schritte, große Wirkung
Ihr müsst nicht alles auf einmal ändern. Aber jede kleine Entscheidung zählt:
- Signal statt WhatsApp: Euer Geld geht an eine gemeinnützige Stiftung statt an Meta.
- LibreOffice statt Microsoft: Ihr spart 100+ Euro im Jahr – und unterstützt Open Source.
- Nextcloud statt Google: Eure Kundendaten bleiben, wo sie hingehören – bei euch.
- Claude statt ChatGPT: Ihr bekommt bessere Texte und unterstützt transparentere KI-Entwicklung.
- PDF24 statt Adobe Acrobat: Kostenlos, deutsch, datenschutzfreundlich – statt 200+ Euro im Jahr.
Der digitale Werkzeugkasten ist politisch. Jede App, jedes Tool, jedes Abo – das ist eine Entscheidung, wohin euer Geld fließt. Ihr habt die Wahl.
Und wenn ihr Unterstützung braucht, eure Website datenschutzfreundlich aufzusetzen oder den Umzug auf alternative Tools zu planen – wir sind für euch da.
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